wer den wert und die bedeutung von ostern allerdings nur an der frage der auferstehung jesu festmachen möchte, verengt die bedeutung des geschehens auf unzulässige weise. sicher gewinnt unser irdisches tun und lassen eine höhere bedeutung, wenn am ende unseres lebens mit einem "danach" gerechnet werden darf - im unterschied zu einem "das war's also". aber nicht weniger wichtig ist es, durch das bedenken des ostergeschehens unsere gegenwärtigen (!) beschränkten denkhorizonte zu durchbrechen und unsere denkgewohnheiten zu erweitern. ostern will uns ermuntern, querzudenken.
deshalb: überall, wo querdenker dazu beitragen, dass neue lebensmöglichkeiten eröffnet und lebensqualitäten verbessert werden, findet ein kleines osterfest statt. überall dort, wo etwas für verrückt erklärt worden ist, was sich am ende als unverzichtbar erweist, kann man ostern feiern. überall, wo menschen allen befürchtungen zum trotz nochmals mit ihrem leben davongekommen sind, hat eine kleine auferstehung stattgefunden. so gesehen ist ostern uns oft näher als wir denken. gott sei dank.
und unsere gesellschaft braucht diese verquere österliche deutungs- und denkstruktur dringend. sie braucht diese denkstruktur, die der macht des todes zum trotz mit dem leben rechnet, die als mittel gegen gewalt allen emotionen zum trotz zeichen der versöhnung aufrichtet und die menschen aus anderen religionen und regionen mit dem österlichen gruß jesu begrüßt: "friede sei mit euch!" - und zwar quer zu allen konventionen, allen befürchtungen und ängsten zum trotz.
(i.nau)